Bornefeld-Orgel

Die Bornefeld-Orgel der Hospitalkirche Stuttgart

Bornefeld-Orgel

Das spätgotische Dominikanerkloster im Zentrum Stuttgarts wurde im Zuge der Reformation aufgelöst und als Hospital genutzt, wodurch die Kirche ihren Namen erhielt. Nachdem die Kirche im zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört wurde, beschloss man Ende der 50er Jahre nurmehr den ehemaligen Chor wiederaufzubauen.

Mit der Planung einer neuen Orgel wurde Helmut Bornefeld beauftragt, der einige Jahre zuvor bereits mit dem Bau der Konzertsaalorgel der Stuttgarter Liederhalle betraut war.

Die Hospitalkirche bekam ein dreimanualiges Instrument mit 33 Registern, erbaut von der Firma Weigle (Stuttgart-Echterdingen). Im Gegensatz zu vielen anderen Orgeln übernahm die Prospektgestaltung nicht Bornefeld selbst, sondern überließ diese dem Architekten der wiedererrichteten Kirche Prof. Rudolf Lempp. Trotzdem lässt sich an der Prospektgestaltung gut das Werkprinzip ablesen: an der Emporenbrüstung steht das Rückpositiv, an der Rückwand der Empore das Hauptwerk, darüber das (schwellbare) Oberwerk. Umrahmt wird das Ensemble vom Pedal – in C/Cis-Aufteilung – das bis ganz an die Emporenbrüstung heranreicht.

Im Lauf der Jahre erfuhr die Orgel mehrere Umbauten. So wurde sie 1974 auf 35 Register, 1987 auf 37 Register erweitert. Im Weiteren wurde die Hauptwerksmixtur (6-8-fach) geteilt in zwei Register: eine tiefliegende eher sanfte Mixtur und ein helles glänzendes Scharff. Die Rauschpfeife des Hauptwerks wurde ebenfalls geteilt in Harfpfeife 4’ und Gemsnasat 2 2/3′, das Oberwerk bekam eine Oboe 8’. Eine 16’-Koppel III/II wurde eingebaut. Die ursprünglichen vier freien Kombinationen wurden durch eine elektronische Setzeranlage ersetzt.

Im Zuge der Renovierung des Kirchengebäudes wurde die Orgel 2015 ausgebaut und nach Fertigstellung der Kirche 2016/17 wieder eingebaut. Erneuert wurden die Registerzugmagnete, da die alten nur noch sehr geräuschvoll arbeiteten. Aufgrund des stark veränderten Kirchenraums – Entfernung einer Empore, Entfernung der Kirchenbänke, Verlegen eines Gussasphalt-Bodens – veränderte sich zwangsläufig auch die Akustik der Kirche, wodurch eine Neuintonation nötig wurde.

Der Klang des Instruments ist zum einen der für Bornefeld typische farbige, helle und obertonreiche. Zum anderen zeichnet sich die Orgel durch eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit an den Raum aus: ein einzelnes Flötenregister erfüllt den Raum zur Gänze und trotzdem wirken kräftigere Registrierungen oder gar das Plenum in keiner Weise laut, sondern fügt sich ins Gesamtbild ein.

Michael Sattelberger